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Dein Pferd flehmt sehr oft- Gewohnheit oder Warnsignal?
- Miriam Leinweber
- 13. Juli 2026
- 13:24 Uhr
Warum flehmt mein Pferd?
Viele Pferdebesitzer beobachten das Flehmen zunächst eher nebenbei. Das Pferd zieht die Oberlippe hoch, hebt den Kopf an und scheint für einen kurzen Moment ganz auf einen bestimmten Geruch konzentriert zu sein. Gerade bei Hengsten wird dieses Verhalten oft als völlig normal wahrgenommen. Doch wenn ein Pferd plötzlich ungewöhnlich häufig flehmt oder das Verhalten gemeinsam mit anderen Veränderungen auftritt, sorgt das bei vielen Besitzern verständlicherweise für Verunsicherung.
Denn häufiges Flehmen ist nicht immer nur eine harmlose Eigenheit. Gerade sensible Pferde zeigen oft schon sehr früh kleine Veränderungen, lange bevor deutlich sichtbare Probleme entstehen. Manche Pferde wirken plötzlich angespannter, schreckhafter oder empfindlicher beim Reiten. Andere verlieren ihre Losgelassenheit, reagieren beim Putzen ungewohnt empfindlich oder zeigen Probleme beim Gurten. Oft sind es zunächst nur Kleinigkeiten, die einzeln kaum auffallen, zusammengenommen aber ein deutliches Bild ergeben.
Grundsätzlich dient das Flehmen dazu, Gerüche und hormonelle Informationen intensiver wahrzunehmen. Über das sogenannte Jacobson-Organ können Pferde bestimmte Duftstoffe genauer analysieren. Besonders bei neuen Gerüchen oder im Kontakt mit anderen Pferden ist Flehmen deshalb zunächst einmal ein normales Verhalten. Wenn ein Wallach oder eine Stute jedoch plötzlich dauerhaft flehmt oder das Verhalten ohne erkennbaren Auslöser deutlich häufiger zeigt, lohnt es sich genauer hinzuschauen.
In der Praxis zeigt sich häufig, dass Pferde über ihr Verhalten sehr früh auf innere Spannungen oder körperliche Beschwerden aufmerksam machen. Viele Pferde kompensieren Probleme erstaunlich lange. Statt einer deutlichen Lahmheit entstehen zunächst eher diffuse Symptome. Das Pferd wirkt nicht mehr ganz zufrieden, läuft etwas fest, reagiert empfindlicher oder verändert seinen Gesichtsausdruck. Manche Besitzer beschreiben ihr Pferd dann als „irgendwie anders“, ohne die Ursache genau benennen zu können. Genau in solchen Situationen tritt häufig auch vermehrtes Flehmen auf.
Ein häufiger Faktor ist dabei Stress. Pferde reagieren oft deutlich sensibler auf Veränderungen, als man zunächst denkt. Stallwechsel, neue Trainingssituationen, Transporte, Turniere oder dauerhafte Unruhe können das Nervensystem stark belasten. Besonders sensible Pferde zeigen dann häufig Anzeichen innerer Anspannung. Manche wirken nervös oder schreckhaft, andere ziehen sich eher zurück oder verlieren ihre Motivation unter dem Reiter. Häufiges Flehmen kann in solchen Situationen ein Ausdruck dieser inneren Spannung sein.
Auch körperliche Ursachen spielen häufig eine Rolle. Gerade Verspannungen im Bereich von Genick, Hals oder Rücken beeinflussen das Wohlbefinden eines Pferdes oft stärker, als viele vermuten. Pferde mit Bewegungseinschränkungen versuchen häufig, bestimmte Bereiche zu entlasten. Dadurch entstehen wiederum neue muskuläre Spannungen und Dysbalancen. Viele Tiere zeigen dann Probleme beim Stellen und Biegen, wirken einseitig fest oder verlieren ihre Losgelassenheit. Nicht selten fällt Besitzern gleichzeitig auf, dass ihr Pferd häufiger flehmt oder insgesamt empfindlicher geworden ist.
Besonders der Bereich rund um Kiefer und Genick sollte dabei nicht unterschätzt werden. Spannungen in diesen Regionen können sich massiv auf das gesamte Bewegungsmuster auswirken. Manche Pferde beginnen plötzlich gegen die Hand zu gehen, sperren das Maul auf oder reagieren empfindlich beim Trensen. Andere wirken dauerhaft angespannt oder können sich im Training nicht mehr richtig fallen lassen. Häufiges Flehmen kann hier ein mögliches Begleitsymptom sein, weil das Pferd versucht, auf innere Spannungen zu reagieren.
Hinzu kommen mögliche Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Pferde mit Magenproblemen zeigen oft keine eindeutigen Symptome. Stattdessen verändert sich häufig schleichend das Verhalten. Die Pferde wirken gereizter, reagieren empfindlich beim Gurten oder verlieren ihre Freude an der Arbeit. Manche wirken dauerhaft angespannt oder zeigen plötzlich wiederkehrende Unruhe. Auch hier berichten Besitzer immer wieder davon, dass ihr Pferd ungewöhnlich häufig flehmt. Gerade bei stressanfälligen Pferden sollte dieser Zusammenhang deshalb nicht unterschätzt werden.
Es lohnt sich immer, das Pferd als Ganzes zu betrachten und nicht nur einzelne Symptome isoliert zu bewerten. Häufig entsteht ein Problem nicht durch eine einzige Ursache, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Genau hier können osteopathische Techniken und Akupunktur sinnvoll unterstützen. Ziel ist nicht nur, einzelne Symptome zu behandeln, sondern Spannungen im Körper zu regulieren und das Pferd wieder besser ins Gleichgewicht zu bringen.
In der Osteopathie wird besonders darauf geachtet, wie einzelne Strukturen im Körper zusammenarbeiten. Bewegungseinschränkungen, muskuläre Dysbalancen oder Blockaden können sich oft auf ganz andere Bereiche auswirken, als man zunächst vermutet. Gerade bei eher unspezifischen Symptomen wie häufigem Flehmen zeigt sich deshalb häufig, wie eng Verhalten und körperliches Wohlbefinden miteinander verbunden sind.
Auch Akupunktur kann dabei helfen, Spannungen zu regulieren und das Nervensystem zu unterstützen. Viele Pferde wirken nach einer Behandlung entspannter, zufriedener und losgelassener. Besitzer berichten häufig davon, dass ihre Pferde wieder freier laufen, sich besser biegen lassen oder insgesamt ausgeglichener wirken. Gerade bei sensiblen Pferden zeigt sich oft sehr deutlich, wie stark körperliche Spannungen das Verhalten beeinflussen können.
Häufiges Flehmen sollte deshalb nicht sofort Panik auslösen. Gleichzeitig lohnt es sich aber, genauer hinzusehen, wenn das Verhalten plötzlich deutlich häufiger auftritt oder gemeinsam mit anderen Veränderungen entsteht. Pferde zeigen oft sehr früh, dass irgendwo im Körper etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Je früher diese Signale erkannt werden, desto besser lassen sich größere Probleme häufig vermeiden.